Barnim entdecken

13km von Lanke nach Lobetal

Es riecht nach Urlaub

Wanderung von Lanke entlang des Hellsee nach Lobetal

Nach fast zwei Jahren Wanderpause wegen Fersensporn geht es 2018 wieder richtig los. Ich bin nach Berlin-Karow gezogen und habe mir vorgenommen, das Barnimer Land zu entdecken, erobern und erwandern. Die Auftaktwanderung zu diesem Vorhaben habe ich diese Woche in Lanke gemacht. Der kleine Ort kurz hinter Bernau ist ein wahres Wandermekka. Zig Wege gehen hier los und ich habe mich für den 13km langen Weg von Lanke entlang des Hellsees bis nach Lobetal und wieder zurück entschieden. Und was soll ich sagen: Ich bin verliebt in diese fantastische Region. Traumhafte verwunschene Bäume im und am See, tolle Badestellen, Nadelholz-Duft in der Luft, Sandboden unter den Füßen, sattgrünes Moor, frisch gemähte Wiesen und ein herzlicher Instant-Cappuccino im beschaulichen Lobetal.

Auf der Suche nach einer Halbtageswanderung in meinem Rother-Wanderführer „Rund um Berlin“ habe ich mich diese Woche für die Tour Nr. 10 entschieden: Von Lanke nach Lobetal. Klang irgendwie nett und vom Norden Berlins aus auch super fix zu erreichen. Im beschaulichen Lanke angekommen, stelle ich schnell fest, dass ich hier schon mal war. Fisch essen mit den Schwiegereltern. Ich habe es in guter Erinnerung. 5 Stunden später kehre ich hier erneut ein und gönne mir Schnitzel mit Spargel. So viel schon mal vorweg.

Es gibt Wanderungen, die gefallen einem auf den ersten Blick, weil sie beginnen, wie sie beginnen. So ist es auf dieser Tour. Gegenüber vom Restaurant Bellevue geht es in den Wald, leicht abschüssig in den Lenné Park rund um das Schloss Lanke hinein. Dichter Wald, schöne hohe Bäume, perfekter Schatten und nach der ersten Rechtsabbiegung geht es grade aus auf herrlichem Sandboden schnurstracks auf einen Uferweg  entlang des Hellsee zu. Bäm! Ich liebe Uferwege. Sie versprechen Abkühlung, Naiv-Romantische Badestellen, Hungrige Mücken und ein unverschämt verlockendes Gefühl von Urlaub. Alles zusammen hat dieser Wanderweg in den ersten 30 Minuten zu bieten.

Nachdem ich also seelenruhig und zutiefst zufrieden in diese Wanderung gestartet bin, merke ich schnell, dass es entlang des Ufers so viele wilde, rustikale Bäume gibt. Abgebrochen, umgekippt, vom Sturm erwischt, mit Moos übersäht. Bäume sind normalerweise nicht so meine Leidenschaft aber hier kann ich nicht anders als hinzugucken, sie anzufassen und mich zu freuen. „Ein Wald der 1000 wilden Bäume“ kommt es mir als Gedanke in den Sinn. Mich berührt es sehr, dass im Forstwesen endlich das sinnlose Wegräumen von Altholz beendet wurde. Bäume dürfen wieder liegen bleiben und als veränderter Teil der Natur auch umgefallen oder halb zerlegt eine neue Rolle annehmen. Als Insektenhotel, Moos-Grundlage, Foto-Model oder Klettergerüst. Der ganze Wald  rund um den Hellsee strahlt dieses Wilde aus und macht diesen Ort für mich sehr schnell zu etwas sehr Besonderem.

Ich laufe eine ganze Weile am Ufer des Hellsee entlang. Mal lockt ein ins Wasser gefallener Baum  zu einer Erkundung ein, mal eine Bank an genau der richtigen Stelle. Die Mücken sind aktiv und an mir interessiert, aber das stört mich erstaunlicherweise garnicht so sehr wie sonst. Ich kann jede einzelne hören und verscheuchen – so still ist es drum herum. Alles, was ich höre ist der Wind in den Bäumen über mir und das Wasser vor sich hin plätschern. Ab und an ein Vogel. Ich komme mir als Mensch – mutterseelenallein an diesem Mittwoch-Morgen – inmitten dieses herrlichen Sees und diesen magischen hohen Bäumen nicht nur in der Minderheit vor – ich empfinde auch so etwas wie Demut. Falls der liebe Gott unsere Erde wirklich erschaffen hat: Hier hat er sich besonders viel Mühe gegeben. Und das so nah an Berlin.

 

Irgendwann wird der Hellsee enger und an der engsten Stelle sind sich beide Ufer sehr nahe. Kurz danach verlasse ich das Wasser in Richtung Wald. Ich kann es kaum glauben, es riecht so wahnsinnig intensiv nach Nadelholz und der Sandboden unter meinen Füßen lässt mich schmunzelnd an Usedom denken. Es riecht so verdammt nach Urlaub! Und als wenn das nicht genug wäre, folgt auf dieses Urlaubspaket an Sinneseindrücken nur wenige Minuten später ein saftig grünes Moor, wie ich es – ohne Übertreibung – noch nie in meinem Leben gesehen habe. Noch nie nie nie. Ich muss mir gefühlt die Augen reiben um zu glauben, was ich hier sehe. Die Bäume sehen aus, als wenn sie das „Stopp“-Spiel spielen und sich alle nicht bewegen dürfen. Eine Ruhe strahlt dieser magische Ort aus. Unbeschreiblich.

Nachdem ich das Moor ausgiebig bestaunt habe, folge ich dem nach-Urlaub-riechendem Sandboden weiter geradeaus. Nach 20 oder 30 Minuten öffnet sich der Wald und ich stehe mitten auf einem riesen Feld. Wenn Wanderautoren in ihren Rother-Wanderbüchern von „abwechslungsreicher Tour“ schreiben, hab ich mich schon so manches Mal gewundert, was sie damit genau meinen. Hier weiß ich genau, was gemeint ist (obwohl ich garnicht weiß, ob das im Rother Buch steht – ich habe es nur als Inspiration genommen, wandere aber frei Schnauze mit meiner Pocket Earth APP als GPS Stütze). Nach Wald, Bäumen, Uferweg, See und Moor folgt nun also auch noch Feld. Auf einmal ist alles so weit um mich herum. Der Himmel blau, die Bäume saftig grün. Sorry, ich bin kein großer Freund von zu vielen Adjektiven aber es geht-nicht-anders! Das glaubt einem ja keiner, wie schön das da ist – auf dem Feld zwischen Lanke und Lobetal. Hätte Caspar David Friedrich nicht in Sachsen gemalt – hier würde er gut hinpassen 🙂

Und dann geht irgendwie alles ganz schnell auf dieser Wanderung. Nach den Feldern kommt schon der Ortseingang von Lobetal. Ein kleiner Ort, bei dem man beim Betreten schon merkt, dass hier etwas anders ist. Es erinnert mich etwas an die Trueman-Show, ein Ort mit Käseglocke drüber um alles Böse abzuhalten. Ein Naturland Bio-Hof am Ortseingang, überall Schilder für die Hoffnungstaler Werkstätten (ein sehr großer Träger der Behindertenhilfe), ein kleiner Dorfplatz und in der Nebenstraße die „Alte Schmiede“ – ein nostalgisches Gebäude, in dem ich Tiefkühl-Kuchen und Instant-Cappuccino für zusammen 3 Euro bekomme, genieße und wohlwollend wegschmunzeln kann. Die Dame hinterm Tresen fragt mich, ob ich etwas über Lobetal wissen möchte, weil ich einen Flyer in die Hand genommen habe. Ich antworte „Alles“ und wir lachen. Sie erzählt mir, dass im Sommer hier schöne Konzerte in der Waldbühne sind und das sie hier ehrenamtlich arbeitet. Lobetal stehe für Menschen aller Couleur und sie lebe sehr sehr gerne hier. „Kann ich verstehen“ antworte ich und freue mich über die Käseglocke, die hier einfach da ist und sich auf den ersten Blick gut anfühlt.

Und dieser Eindruck wiederholt sich. Ich sitze noch nicht allzu lange an meinem schönen Holztisch draußen vor der Schmiede, da kommt ein Mann und setzt sich dazu. Er streckt mir ein kleines Fotoalbum entgegen. So eins wie aus den 80ern oder 90ern. Plastik-Einschieber für jedes Foto, ein Klappalbum zum Umblättern. „Schöne Fotos stimmt? Ich gemacht. Ich Fotos macht. Schöne Fotos, stimmt? Wie heisst du?“ Ich schaue mir das Album an und wir sprechen über die Dinge, die ich darauf sehe. Sein Schwager im Saarland, Ziegen und Rehe im Wildpark, Ufer am See. „Is überall schön. Der liebe Gott ist ja nicht nur in Lobetal. Gott is ja überall, weisst du das?“ Ich muss lachen. Er hat so recht. Das gemeinsame Blättern in einem wildfremden Fotobüchlein mit grundanständigen Lebensweisheiten berührt mich. Nichts an diesem Tag passt nicht zusammen. Alles stimmt irgendwie. Ich mag Lobetal schau mir noch kurz den Milchladen von Lobetaler Bio an und setze meine Tour dann fort.

Ich folge am Dorfplatz von Lobetal den Wanderschildern und umkreise den Mechesee – ein kleiner privater See, den die Hoffnungstaler Werkstätten gekauft oder gepachtet haben – erkunde kurz das Ufer mit seinen Stegen und mache mich auf den Rückweg. Ich laufe am Rand des Biesenthaler Beckens vorbei und erreiche nach ca. 1 Stunde Wald wieder das Ufer des Hellsee. Es ist ein schöner Waldweg bis dahin, ich ruhe über eine Stunde in der Mittagssonne an einen Baumstamm angelehnt, heimse mir dabei die erste Zecke seit 10 Jahren ein, und lasse meine Gedanken kreisen, ruhiger werden und beginne mit offenen Augen zu schlafen. So still, so friedlich, so luftig und menschenleer ist dieser Weg.

Das Finale wird perfekt durch diese zweite Uferseite des Hellsee. Alle paar Meter kann man ins Wasser hüpfen und diesen klaren See erschwimmen. Das mache ich auch. Wo, verrate ich nicht – denn Badestellen sind ja wie Lieblingsrestauraants – das muss jeder für sich herausfinden 🙂

Ich bin fast 6 Stunden unterwegs, als ich am Ende den Hellsee wieder umrundet und an der gleichen Stelle rauskomme, an der ich gestartet bin – am Restaurant Bellevue. Ich habe so viel erkundet, gestaunt, fotografiert, pausiert und in Lobetal gerastet. Mit normalem Schritt ist diese Tour gut in 3 Stunden zu schaffen. Auch für Familien mit Kindern eine leicht zu machende Tour, da sie viel Abenteuer ausstrahlt.

Was soll ich sagen: Lanke & Lobetal – Zauberwald der 1000 Bäume mit Usedomer Urlaubsduft-Uferweg und der zwischenmenschlichen Käseglocke kurz vor den schönsten Badestellen rund um Berlin. Fünf Sterne Deluxe für diese Region und diese Tour. Ich werde wiederkommen, denn der Geruch nach Urlaub ist ja bekanntermaßen nicht der Schlechteste…

 

Auf einen Blick:

Länge: 13km, Halbtagesausflug – gut kombinierbar mit Bernau oder Biesenthal

Geeignet für: Genuss-Wanderer, Baderatten, Hundebesitzer, Familien mit Kindern

Start: Wanderparkplatz Lanke

Ende: Wanderparkplatz Lanke, alternativ auch Ende in Lobetal oder Biesenthal, Route einfach veränderbar

Restaurants: Bellevue, Lanke, Alte Schmiede Lobetal

Interessantes am Wegesrand: Kreative Baumformationen, Märchenhaftes Moor, Saftige Felder und Wiesen, Naturland Bio-Garten in Lobetal, Lobetaler Milchladen, Schloss Lanke

Mitnehmen: Badesache, Mückenspray, Zeckenschutz

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